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Der Proceß: Kafka und seine Bedeutung für die Kriminaltheorie

SS 2013

Zum Programm allgemein: Die Parabel „Vor dem Gesetz“ gehört zum Kulturgut des 20. Jahrhunderts. Sie stammt aus dem „Proceß“-Roman von Franz Kafka, wie ihn Max Brod nach Kafkas Tod 1925 herausgegeben hat. Die Kapitel des Romans wie: Verhaftung, erste Untersuchung, Der Prügler, Advokat/Fabrikant,/Maler, Im Dom – sind Etappen eines Strafverfahrens, in dem die Anklage nicht bekanntgegeben wird. Die scheinbare Absurdität hat gerade in den letzten 20 Jahren vielfältige Interpretationen hervorgerufen, mit denen Rechtstheorie gestaltet worden ist. Der Roman und seine Interpretationen sollen diskutiert werden. Eine Teilnahme an der Veranstaltung setzt die Lektüre des Romans voraus. Ein mündlicher Diskussionsbeitrag sollte übernommen und anschließend schriftlich ausgearbeitet werden. Die Veranstaltung ist offen für Studierende der Text- und Sozialwissenschaften. Um Interessenanmeldung per e-mail (tms@semiotik.de) wird gebeten.


Zum Ablauf:


Beginn am 15.4.2013 mit einer verbindlichen Vorbesprechung und Verteilung von Aufgaben, sodann - falls nicht bereits geschehen - Gelegenheit zur Vorbereitung eines mündlichen Impulsbeitrags innerhalb der nächsten 3 Wochen. Die schriftliche Fassung (die Grundlage einer Bewertung im Schwerpunktbereich sein wird) soll bis zum 30.9.2013 vorliegen und kann im Anschluss an die mündliche Vorstellung noch konkretisiert werden. Mit Beiträgen der Studierenden soll vom 6.5. an begonnen werden.


Die folgenden Termine sind vorläufig, werden datumsmäßig noch konkretisiert und könnten voraussichtlich am 29.5. beginnen. Sie beginnen jeweils mit einer Textlektüre der Kapitel, sodann sodann folgt in einer weiteren Sitzung eine rechtstheoretische Deutung. Ein Beitrag sollte beides unter einem ausgewählten Gesichtspunkt verbinden und beachten, dass im Seminarzusammenhang nicht Literaturwissenschaft im Vordergrund steht. Geplant sind folgende Schwerpunkte:


- 1. Kap.: Die Verhaftung. (§ 112 StPO lesen) Theoretischer Hintergrund bei: Cornelia Vismann, "Menschenrechte: Instanz des Sprechens - Instrument der Politik" (1998). In: Demokratischer Experimentalismus. Politik in der komplexen Gesellschaft, hrg. v. H. Brunkhorst, Frankfurt: stw 1998, S. 279 ff., oder Vismann: Das Recht und seine Mittel. Ausgewählte Schriften, Frankfurt: Fischer 2012, S. 228


- 2. Kap.: Erste Untersuchung. (§§ 135, 136 StPO lesen) Theoretischer Hintergrund bei: Michael Niehaus: Das Verhör. Geschichte - Theorie - Fiktion. München: Fink. In Teil IV "Kafkas Verhöre, S. 439 ff.


- 5. Kap.: Der Prügler. (StGB Dritter Abschnitt, erster Titel lesen: Die Strafen) Deutung bei Cornelia Vismann: Akten. Medientechnik und Recht, Frankfurt a.M. 2000, Abschnitt I. 2. S. 30 ff.


- 9. Kap.: Im Dom. (§ 258 StPO lesen) Deutung bei T.-M. Seibert: Zeichen, Prozesse. Berlin 1996. Kap. 8, S. 134 ff.; literaturwissenschaftlich auch: Hartmut Binder: "Vor dem Gesetz". Einführung in Kafkas Welt. Stuttgart/Weimar: Metzler, S. 108 ff. (Raumfolgen)


- Vor dem Gesetz. (§ 261 StPO lesen) Deutung bei:
a) Jacques Derrida: Préjugés. Vor dem Gesetz, dt.: Wien 1992;
b) Giorgio Agamben: Homo Sacer, dt. Frankfurt a.M. 2002 (Erster Teil, Abschn. 4);
c) Rainer Maria Kiesow: Das Alphabet des Rechts, Frankfurt a.M.: Fischer 2004, S. 48 ff. (Code)
d) Gunther Teubner: Das Recht vor seinem Gesetz: Franz Kafka zur (Un-)Möglichkeit einer Selbstreflexion des Rechts. http://www.anci.ch/_media/beitrag/ancilla2012_176_teubner.pdf


Für eine Seminarleistung wird ein eigener mündlicher Beitrag (Impuls) erwartet. Die schriftliche Arbeit soll ca. 15 Seiten umfassen, mit Literaturverzeichnis und Anmerkungen versehen sein und muss bis zum 30.9.2013 im Sekretariat von Prof. Neumann (Campus Westend, 4. Stock, Frau Boßhammer) abgegeben oder mir übersandt werden.